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Mit dem Tesla im Außendienst

Ich habe jetzt seit gut eineinhalb Jahren ein Tesla Model 3 im Außendienst im Einsatz und möchte hier meine Erfahrungen teilen.

 

Zum Rahmen: Ich fahre rund 40.000 Kilometer pro Jahr, habe keine Ladestation zu Hause, dafür aber drei 11-kW-Lader im Ort. Meine Dienstreisen finden vor allem in Österreich und Bayern statt. Auf einer typischen Reise fahre ich etwa 1.000 Kilometer innerhalb von zwei bis drei Tagen. Im Homeoffice steht das Auto dafür auch schnell einmal ein paar Tage komplett ungenutzt herum. Viele meiner Kunden sitzen in Industriegebieten, und eine Lademöglichkeit vor Ort gibt es dort in der Regel nicht.

 

Gleich mal vorweg: mein Fazit zur Alltagstauglichkeit ist insgesamt sehr positiv. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass das Fahrzeug vollgeladen ist, wenn man losfährt. Dann schaffe ich Fahrten nach Wien und zurück normalerweise problemlos; je nach Ziel in Wien sind das für mich rund 80 bis 100 Kilometer pro Richtung. Auch Strecken nach Salzburg oder Graz gehen gut. Danach braucht es eben eine Ladepause. Die nutze ich meist für Telefonate, Salesforce-Einträge, Mittagessen oder auch einmal für Duolingo und Co. So eine Pause dauert in der Regel 20 bis 40 Minuten – im Winter eher länger, im Sommer eher kürzer.

Für mich ist das in Ordnung. Die Zeiten, in denen ich am Stück bis nach Stuttgart durchgefahren bin, sind ohnehin vorbei. Ich brauche für mich selbst und auch für meine Blase diese Pausen genauso wie das Auto.

 

Was allerdings wichtig ist zu wissen: Man muss sich genügend Puffer lassen. Ein Termin in Salzburg um 10 Uhr ist machbar. Danach noch einen weiteren Termin um 14 Uhr in Innsbruck einzuplanen, würde ich mich aber nicht trauen. Ich plane meine Termine daher entsprechend vorsichtig.

Wer in seinem Job eine hohe Besuchsfrequenz aufgrund irgendwelcher Zielvereinbarungen braucht, also drei oder vier Kundentermine am Tag mit kurzen 10- bis 30-minütigen Gesprächen, für den wird ein Elektroauto aus meiner Sicht schwierig. Das gilt zumindest dann, wenn das Reisegebiet nicht sehr klein ist und vor Ort keine brauchbare Ladeinfrastruktur vorhanden ist. Wer dagegen so wie ich in ganz Österreich unterwegs ist, während der Termine in der Regel nicht laden kann und stattdessen auf Schnelllader angewiesen ist, dafür aber eher ein bis zwei Termine pro Tag hat, kann damit gut arbeiten.

Unter diesen Rahmenbedingungen ist elektrisches Fahren im Außendienst für mich absolut alltagstauglich.

 

Davor hatte ich einen Job, bei dem ich viel weniger unterwegs war und hauptsächlich an einem Standort gearbeitet habe. Damals bin ich einen ID.3 gefahren. Im Vergleich dazu war der Tesla mit seiner Schnellladefähigkeit und den realen 50 bis 100 Kilometern Mehrreichweite schon ein deutlicher Sprung.

 

Gewöhnungsbedürftig finde ich beim Tesla eigentlich nur den Blinker direkt am Lenkrad. Wer sich das ausgedacht hat, gehört geteert und gefedert. Ich lebe in Niederösterreich, also im Land der Kreisverkehre, und gerade dort zeigt sich für mich, wie unpraktisch diese Lösung ist. Beim Lenken muss ich oft erst suchen, wo genau jetzt der Knopf ist, weil sich das Lenkrad natürlich mitdreht.

 

Eher enttäuschend finde ich dagegen die Assistenzsysteme. Tesla vermarktet das sehr groß mit Autopilot, Enhanced Autopilot und sogar „Voll-Selbstständigem Fahren (überwacht)“. In der Realität bleibt es aber auch hier ein Assistenzsystem, bei dem der Fahrer ständig aufpassen und eingreifen muss. Genau deshalb war ich davon im Alltag eher unterwältigt. Der Lenkassistent – also das System, das viele als eine Art Selbstfahrfunktion verstehen – hat mich nicht beeindruckt. Ich hatte 2016 schon einen Skoda Superb, und dessen Spurhalteassistent hat auf mich teilweise deutlich besser gewirkt, vor allem auf einer leicht kurigen Autobahn.

 

Mit kleinen Abzügen im Alltag kann ich elektrisches Fahren im Außendienst unter meinen Rahmenbedingungen daher klar empfehlen. Für mein Einsatzprofil funktioniert das gut – praktisch im Alltag und durch den wegfallenden Sachbezug auch finanziell attraktiv. Dieser Vorteil gilt aktuell noch, politisch ist aber bereits eine Änderung ab 2027 angekündigt.